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Bild.de vom 09.02.2012 - Staatsanwalt ermittelt gegen Schönheitspapst Mang

Kempten Unschönes vom Schönheitspapst! Die Staatsanwaltschaft Kempten ermittelt gegen Beauty-Guru Professor Werner Mang (62), den Chef der bekannten Bodensee-Klinik.

„Wir ermitteln wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung, gehen dabei derzeit von 274 Operationen aus“, so die Kemptener Staatsanwältin Katrin Eger (31).

Die Juristin: „Es waren Operationen, wie sie zum normalen Geschäftsbetrieb einer solchen Klinik gehören.“ Also Vergrößerungen, Verkleinerungen, Korrekturen...

Professor Mang hält die Vorwürfe für unbegründet. Sie bezögen sich auf keinerlei Behandlungen oder gesundheitliche Schäden von Patienten, teilte die Bodensee-Klinik mit.

Es gehe ausschließlich um die juristische Frage, ob der „erfahrene Facharzt für Plastische Chirurgie“ eine ausreichende behördliche Erlaubnis hatte. Klinik-Anwalt Steffen Ufer geht davon aus, dass die Ermittlungen in Kürze eingestellt werden.

Worum geht es konkret?

In Mangs Klinik soll ein 65-jähriger Mediziner ohne Approbation, also die nötige öffentlich-rechtliche Zulassung, eigenständig operiert haben. Der Mann verfügt über langjährige Erfahrung als Arzt, hat laut Staatsanwaltschaft sogar einen Doktortitel. Die Approbation sei ihm nach einem juristischen Verfahren, das nicht unmittelbar mit seiner Arzt-Tätigkeit zusammenhängt, aberkannt worden.

Weil er mit dem Skalpell arbeitete, werden die Vorwürfe als gefährliche Körperverletzung gewertet. Nach dem Ex-Operateur wird mit internationalem Haftbefehl gefahndet. Die mögliche Höchststrafe: 10 Jahre Haft.

Jetzt könnte es auch für dessen ehemaligen Chef Mang eng werden. Denn die Staatsanwaltschaft Kempten geht davon aus: „Als Leiter der Einrichtung hat er diese Praxis gefördert.“

Was die betroffenen Patienten beruhigen könnte: „Es gibt derzeit keine Erkenntnisse darüber, ob bei den Eingriffen auch etwas schiefgelaufen ist.“

BILD.de fragte in der Bodensee-Klinik nach. „Der Arzt legte uns bei der Bewerbung eine Schweizer Zulassung vor und teilte mit, dass er für Deutschland eine beschränkte Erlaubnis zur Operation unter Aufsicht habe“, heißt es in der Stellungnahme.

„Er führte dann auf Probe bei uns als Hospitant unter Aufsicht 15 Eingriffe erfolgreich durch, bevor er seine Operationszulassung als angestellter Arzt zum 1. Mai 2009 zurückerhalten hat."

Weder der Verwaltung der Bodenseeklinik noch Prof. Mang sei vor diesem Hintergrund der geringste Vorwurf zu machen.

Werner Mang gab der Schönheitschirurgie in Deutschland buchstäblich ein Gesicht. Der Sohn eines Forstdirektors schlug schon als Kind seinen Weg ein. Als Schüler formte er lieber Gesichter und Formen statt Flugzeuge zu basteln. Mit 24 Jahren, so schreibt er auf seiner Homepage, schloss er das Studium mit der Prädikatsnote „1a“ ab, schob seinen Doktortitel direkt hinterher, dann die Professur.

In Lindau erfüllte er sich mit Gründung der Bodensee-Klinik seinen Lebenstraum. Seine Hobbys: Tennis, Golf, Ski, schnelle Autos, Harley Davidson. Seine Lieblingsband: die Rolling Stones.

Aber jetzt brachte der falsche Chirurg Steine ins Rollen, die Mang echte Probleme bereiten könnten. Neben einem Strafprozess drohen auch Zivilklagen der Ex-Patienten.

Arzthaftungsexperte Stefan Hermann (46) sagte BILD.de: „Die Patienten könnten alle 30 bis 50 000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz geltend machen. Ihr Vertrauensverhältnis wurde auf das Übelste zerstört. Wer sich einem Facharzt anvertraut, muss sich darauf verlassen können, dass der Operateur alle Zulassungen hat. Außerdem müssen den Opfern die OP-Kosten erstattet werden.“

 

Patientenanwalt
Stefan HERMANN
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